Selfie-Hype oder Mut zur Hässlichkeit….

…meine ganz persönliche Challenge

Anfang Juni kam mir die Idee zu meiner ganz persönlichen Challenge. 20 Selbstporträts in einem jeweils eng gesteckten Zeitrahmen zu malen. Jeweils für 1 Stunde habe ich mir eine Stoppuhr gestellt und einfach mit entsprechendem Aufbau, Spiegel und Beleuchtung begonnen. Wichtig war mir dabei, ein ehrliches Bild von mir zu malen, so, wie ich mich in dem jeweiligen Moment sehe. Dann wurden die Bilder weggepackt und sollten erst nach der Vollendung des 20. Selbstporträts wieder hervor geholt werden.

Ein zwischenzeitlicher Wasserschaden – diesmal kam Abwasser aus meiner Atelierdecke und hatte mir mehr als die Hälfte des Atelierbodens überschwemmt – machte mehrere Zwangspausen nötig. Mehr als drei Wochen  lang konnte ich wegen der aufgestellten Trocknungsgeräte und der damit verbundenen Wärme- und Geräuschentwicklung mein Atelier gar nicht nutzen und malte dann einfach zu Hause weiter. Schlussendlich sind es 18 Selbstporträts geworden, die meine unterschiedlichen Gemütslagen für mich erkennbar sehr deutlich und gut widerspiegeln. 2 Arbeiten sind leider dem Wasserschaden zum Opfer gefallen und waren nicht mehr zu retten.

Beim Auslegen bzw. Nebeneinanderlegen der einzelnen Porträts kam ich selbst aus dem Staunen nicht heraus. Ich kann mich genau an  meine ganz persönliche Stimmung und Befindlichkeit am jeweiligen Tag erinnern und im Überblick stelle ich für mich fest, wie kritisch frau sich selbst betrachtet. Natürlich hätte ich versuchen können, das immer gleiche Selbstbildnis zu erzeugen, aber mir war wichtig, mein Inneres zu Erkennen und meine  Gefühlslage wiederzugeben, auch wenn es mir an machen Tagen schwer fiel, überhaupt zu Pinsel und Farbe zu greifen.. Mit Frust im Bauch malt es sich anders, als an einem Tag mit guter Laune und Lebensfreude. Aber wie schon gesagt, wenn ich schöne Bilder gewollt hätte, hätte ich Photoshop verwenden können.

Denn was so allgemein in den sozialen Netzwerken an Selfies verbreitet wird, ist sicher oft “gephotoshopt” und dem Bedürfnis nach Anerkennung geschuldet. Aber bei dieser Challenge ging es mir nur um meine Eigenwahrnehmung und welch schönere Anerkennung kann man bekommen, als die einer befreundeten Künstlerkollegin die im Kommentar meines letzten Beitrages schrieb:

“Hallo Dagmar, Gratulation zur Beendigung deiner Selfie-Sellbstbildnis Challenge! Ich bin beeindruckt von deiner Ausdauer, deinem Engagement und Mut dich mit dir selbst malerisch auseinander zusetzen! Und dies ganz anders als bei den Selfies, nicht mit dem stereotypen “Schöngesicht” , sondern auch mit dem häufigen Schock, der (zumindest mich) frau an manchem Tag trifft, wenn sie ungeschminkt, ungeschönt und unbelächelt quasi “in Natur” in den Spiegel schaut!…”  Vielen Dank liebe Gerrit für Deine Worte.

In den vergangenen Tagen habe ich eine kleine Studie zu unterschiedlichen Stimmungen gezeichnet, die ich hier als nächstes zeigen werde. Also bleibt gespannt und colour your Life ;-)

 

 

 

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2 Kommentare zu Selfie-Hype oder Mut zur Hässlichkeit….

  1. SommerKunst sagt:

    Klasse! Ein mutiges Projekt, das deutlich die verschiedenen Verfassungen an “guten” und “schlechten” Tagen widerspiegelt – das Menschsein und den Alltag eben. Wie “bunt” doch unser Leben ist! Das Ergebnis könnte nicht eindrucksvoller sein. Schön :-)

    • dagmar sagt:

      Danke dir, liebe Seona… ja die Herausforderungen des Alltags – auch wenn frau eigentlich tausend Ausreden hat, warum sie sich oder überhaupt heute nicht malen will… wer kennt das nicht als Künstlerin…umso wichtiger war es mir, mein selbstgestecktes Ziel zu verfolgen und am Ende war ich selbst überrascht, als alle “Selfies” nebeneinander lagen…. Meine “Gemütslage” war für mich im Nachhinein deutlich nachvollziehbar. Interessant war für mich auch die Erfahrung, dass ich zum Ende hin immer weniger von der mir ursprünglich zugestandenen Zeit brauchte und das, obwohl mir wichtig war , immer wieder ganz genau hinzuschauen, mich anzusehen und nicht automatisiert bereits Gemaltes einfach nachzuempfinden.